Welche Ethik für künstliche Intelligenz ?

Datenschutz, Sprachroboter, ... Um den Risiken der KI entgegenzuwirken, beschließt die Unesco die Empfehlung zur Ethik künstlicher Intelligenz.

21 Februar 2022

Für eine ethischere künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz: ein Begriff, der ebenso sehr fesselt wie verstört? Das neue Projekt der Unesco ist zuversichtlich, mit ihrer Empfehlung zur Ethik künstlicher Intelligenz einen tiefgreifenden Wandel herbeizuführen. Am 24. November 2021 verabschiedet, ist dies der erste normative Text globalen Maßstabs, der alle Bereiche abdeckt, die mit KI, ihren Vorteilen und Risiken für die Gesellschaft in Zusammenhang stehen. Das Ziel? Sicherzustellen, dass die neuen Technologien im Einklang eines Rechtsrahmens zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden

Ein umfangreiches Projekt, das als ethischer Leitfaden für die Entwicklung künstlicher Intelligenz durch und für Menschen dienen soll.

 

Warum benötigt künstliche Intelligenz eine Ethik?

„Die Welt braucht Regeln, damit künstliche Intelligenz der Menschheit zugutekommt“, wie auch Audrey Azoulay, die Generaldirektorin der Unesco, bestärkt. Doch welche Gefahren birgt eine schlechte Verwendung der KI? Welche Rolle spielt die Unesco? Aus folgenden Gründen muss die Ethik in der KI-Forschung einbezogen werden.

Was ist künstliche Intelligenz (KI)?

Künstliche Intelligenz (KI) ist die Nachahmung der menschlichen Intelligenz mithilfe von Computertechniken und -systemen. KI basiert auf dynamischen Algorithmen und ermöglicht es Computern, wie Menschen zu handeln und zu denken. Der Prozess erfordert zu diesem Zweck, große Datenmengen zu sammeln und in einem künstlichen neuronalen Netz zu speichern. Das KI-System passt dann sein Verhalten an, indem es die Auswirkungen seiner vorherigen Handlungen analysiert. Anders ausgedrückt, es entwickelt sich selbstständig weiter. Es ist eine Technologie, die als „Machine Learning“ (maschinelles Lernen) bezeichnet wird.

Obschon dieser Begriff erstmals 1950 mit dem berühmten Turing-Test auftauchte, breitet sich die künstliche Intelligenz heute in allen Industriezweigen aus. Sie ist in der Lage, unsere Anfragen über Spracherkennung zu bearbeiten, Bankbetrug aufzudecken, Gesichter auf Fotos zu erkennen und Maschinenausfälle vorherzusagen. Kurz gesagt: Die KI gewinnt immer mehr an Bedeutung und zwar so stark, dass die UNESCO schätzt, dass dieser Markt im Jahr 2022 ein Volumen von 4 Billionen Dollar generieren wird.

Welche ethischen Herausforderungen gehen mit der künstlichen Intelligenz einher?

Vom selbstfahrenden Auto bis zur medizinischen Diagnose nimmt künstliche Intelligenz in vielen Bereichen den Platz des Menschen ein: Wirtschaft, Forschung, Verteidigung, Handel, Bildung, … Sie hilft der Regierung bei der Entscheidungsfindung, verändert Geschäftsprozesse und erleichtert das persönliche Leben. Die KI ist heute so fest in unseren täglichen Gewohnheiten verankert, dass wir ihr keine Beachtung mehr schenken, und dennoch geht diese neue Technologie mit Risiken einher. Drei Problembereiche werden in diesem Zusammenhang häufig angesprochen:

  • Verzerrungen (Biases): Von Natur aus diskriminierend sind Verzerrungen derzeit eine regelrechte Geißel der KI, wenn es um ethische Fragen geht. Sie lassen sich dadurch erklären, dass KI auf Algorithmen basiert, die sich ihrerseits auf Datenbanken stützen. Nun sind diese Datenbanken jedoch häufig unvollständig oder beruhen unbeabsichtigt auf Stereotypen, die im kollektiven Unterbewusstsein verankert sind. Wir finden uns dann in der Situation wieder, in der Machine-Learning-Software Gruppen von Menschen diskriminiert;
  • Der böswillige Einsatz der KI: Missachtung der Menschenrechte, Verletzung der Privatsphäre, Vereinheitlichung, Massenüberwachung, … Mithilfe von Maschinen-Learning-Software wird es immer einfacher, das Denken mit gezielter Werbung zu beeinflussen und Gesichter auf den Kameras zu unterscheiden;
  • Die Umweltauswirkungen: oft unsichtbar und dennoch umfangreich. Laut der Unesco sorgt beispielsweise das Data-Mining allein für 10 % des weltweiten Energieverbrauchs.

Die Frage der Ethik in künstlicher Intelligenz drängt sich daher auf. Und was ist Ethik? Es handelt sich um eine Disziplin der Philosophie, die den Zweck unserer Handlungen sowie unsere moralischen Urteile (was gut oder schlecht, gerecht oder ungerecht ist) hinterfragt. Sie ermöglicht es, über Verhaltensweisen in Gesellschaft, Zeit und Raum nachzudenken, um die Welt menschlich bewohnbar zu machen.

Ein dringendes Projekt für die Unesco

Trotz der enormen Fortschritte neuer Technologien in den Bereichen Medizin und Kommunikation besteht die Gefahr, dass es zu Fehlentwicklungen in der KI kommt, die eine echte Bedrohung für unsere Menschenrechte und Freiheiten darstellen. Es ist von entscheidender Bedeutung, die künstliche Intelligenz in einen Rahmen einzubetten, um sie sinnvoll einzusetzen, insbesondere zur Bekämpfung der Armut und des Klimawandels. Die UNESCO hat daher beschlossen, auf der Grundlage ihrer Vorstudie aus dem Jahr 2019 den allerersten weltweiten Leitfaden für die Entwicklung und Anwendung von KI in der Gesellschaft zu erstellen. Auf ihrer am 24. November 2021 in Paris stattfindenden 41. Tagung wird die Empfehlung zur Ethik der künstlichen Intelligenz daraufhin von den 193 Mitgliedstaaten angenommen.

Die Empfehlung zur Ethik der künstlichen Intelligenz, der Leitfaden der Unesco

Während die Vorstudie von 2019 auf die Gefahren der KI und das Fehlen einer weltweiten Regulierung hinweist, hat die Empfehlung zur Ethik der künstlichen Intelligenz das Ruder herumgerissen. Doch was enthält das allererste normative Instrument der KI? Wie wird es die Forschung und Anwendung neuer Technologien reglementieren? Im Folgenden werden die Ziele, Werte und Handlungsfelder dieses Leitfadens zusammengefasst.

KI und Ethik: die Ziele

In der Präambel der Empfehlung zur Ethik der künstlichen Intelligenz heißt es: „KI-Technologien der Menschheit große Dienste erweisen “, aber auch „die bestehenden Unterschiede und Ungleichheiten in der Welt vergrößern“.

Im Bewusstsein der positiven und negativen Auswirkungen, die die künstliche Intelligenz auf die menschliche Gesellschaft hat und haben wird, setzt sich die UNESCO folgende Ziele:

  • Einen Standard an Grundsätzen und Regeln vorzuschlagen, an denen sich Regierungen bei ihrer KI-Politik orientieren können;
  • Gemeinschaften und Unternehmen über die Risiken der KI zu informieren, damit sie ethische Verhaltensweisen an den Tag legen können;
  • Die Menschenwürde und Grundfreiheiten zu schützen;
  • Die Umwelt zu erhalten;
  • Dinen gerechten Zugang auf künstliche Intelligenz zu fördern.

KI und Ethik: die Werte und Grundsätze

Die Empfehlung beschreibt die Werte und Grundsätze, an denen sich die politischen und rechtlichen Maßnahmen eines jeden Landes orientieren sollten. Sie müssen von allen Akteuren des Lebenszyklus von KI-Systemen eingehalten werden. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Elemente des normativen Textes;

Achtung der Menschenrechte und Inklusion: Menschenwürde, Nichtdiskriminierung, Gleichstellung der Geschlechter, Achtung des Lebensstils, des Glaubens und der Meinungen zur Förderung friedlicher und gerechter Gesellschaften;

Gedeihende Ökosysteme: Einhaltung des Vorsorgeprinzips, Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung bei der Erforschung und Nutzung von KI;

Sicherheit und Unbedenklichkeit von KI: Risikobewertung in Bezug auf die Menschenwürde, Datenschutz, Verbot der Verwendung von KI für Bürgerbewertungen oder Massenüberwachung;

Ethische Verantwortung: Transparenz und Erklärbarkeit von KI-Systemen, Ermöglichung einer öffentlichen Kontrolle der Anwendung von KI.

KI und Ethik: die Anwendungsbereiche

Anschließend beabsichtigt die UNESCO, eine Bewertungsmethode zu entwickeln, um Regierungen bei der Umsetzung der Grundsätze des normativen Textes zu unterstützen. Es ist wichtig, dass jeder die Risiken der KI innerhalb des politischen Systems sowie in den Prozessen privater Unternehmen identifiziert. Die oben genannten Werte sind von universeller Bedeutung und müssen in den strategischen Bereichen angewandt werden, in denen die KI eingesetzt werden kann, und zwar:

  • Kultur: Verwaltung und Zugänglichkeit des kulturellen Erbes, künstlerische Vielfalt und Freiheit, Auswirkungen von Sprachassistenten und Spracherkennung;
  • Bildung und Forschung: Förderung des Erlernens digitaler Fähigkeiten und der Forschung, die sich mit der ethischen Verantwortung von KI und dem Austausch wissenschaftlicher Daten befasst;
  • Kommunikation und Information: Zugang zu Wissen und Informationen, Förderung der Meinungsfreiheit;
  • Wirtschaft und Arbeit: erleichterter Zugang zur beruflichen Ausbildung und Umschulung, Auswirkungen der KI auf die Arbeitsumgebung, Verbraucherschutz;
  • Gesundheit und soziales Wohlergehen: Verbesserung und Rechtsvorschriften im Bereich der Gesundheit, Auswirkungen der KI auf die psychische Gesundheit, Auswirkungen der Interaktion zwischen Mensch und Roboter.

Für eine globale Sensibilisierung

Obgleich die Empfehlung zur Ethik der künstlichen Intelligenz nur für die 193 Mitgliedstaaten gilt und keinerlei Verpflichtungen auferlegt, ist sie dennoch ein erster Schritt zu einer Sensibilisierung.

Die Unesco fordert alle Unterzeichner auf, regelmäßig über Fortschritte und Praktiken im Bereich der künstlichen Intelligenz Bericht zu erstatten. Es ist Aufgabe der Regierungen, ihre Regeln gegenüber Privatunternehmen zusammenzustellen, um diese in die Verantwortung zu nehmen. Im Übrigen führten zum Zeitpunkt der Annahme des Textes bereits etwa 20 Länder ethische Maßnahmen ein. Die Vereinigten Staaten, die nicht der UNESCO angehören, haben ihrerseits erklärt, an ihrem eigenen Gesetzestext zu arbeiten und die Datenerhebung auf ihrem Hoheitsgebiet bereits einzuschränken.

Zu guter Letzt ist das Projekt auch ein Mittel, die Bürger über die Risiken der KI innerhalb ihres Privat- und Berufslebens, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz, zu informieren.